Zehntausende Menschen demonstrieren in Bratislava für Demokratie und gegen die Regierung

Demonstrationen in der Slowakei Proteste gegen Fico in 30 Städten

Stand: 25.01.2025 03:16 Uhr

"Die Slowakei gehört zu Europa": Zehntausende Menschen sind überall im Land gegen die Regierung von Ministerpräsident Fico auf die Straßen gegangen. Sie werfen ihm einen autoritären und prorussischen Regierungskurs vor.

Zehntausende Menschen haben in fast 30 Städten der Slowakei gegen die Regierung von Ministerpräsident Robert Fico protestiert. Mit Transparenten und Sprechchören riefen die Demonstranten den Regierungschef zum Rücktritt auf. An der größten Kundgebung vor dem Regierungssitz in Bratislava sollen nach Angaben der Organisatoren 60.000 Menschen teilgenommen haben. 

Die Botschaft solle lauten: "Die Slowakei gehört zu Europa. Wir wollen keine Kollaboration mit Russland." Das sagte Marian Kulich von der Bürgerinitiative "Mier Ukrajine" ("Friede der Ukraine"), die gemeinsam mit Partnerorganisationen zu den Demonstrationen aufgerufen hatte. Im Unterschied zu früheren Protesten schwenkten die Teilnehmenden diesmal nur wenige ukrainische Flaggen, sondern vor allem jene der Slowakei und Europas.

Kritiker werfen Fico prorussischen Kurs vor

Regierungsgegner werfen dem linksnationalen Fico einen zunehmend autoritären und prorussischen Kurs vor. Er kritisierte das am Donnerstag erneut als Verleumdung. "Diese Regierung wird nie etwas tun, was unsere Mitgliedschaft in der Europäischen Union und in der NATO in Zweifel ziehen könnten." 

Fico hat Waffenlieferungen an die von Russland angegriffene Ukraine aus eigenen Armeebeständen eingestellt und kritisiert immer wieder jene EU-Sanktionen, die seiner Ansicht nach der von russischem Gas und Öl abhängigen Slowakei mehr schaden als Moskau. Dennoch hat die Slowakei anders als Ungarn bisher allen EU-Beschlüssen gegen Russland und für die Ukraine zugestimmt.

Geheimdienstbericht warnt vor Ausschreitungen

Der Regierungschef hatte vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass es bei Demonstrationen von Regierungsgegnern zu Ausschreitungen kommen könnte. Er berief sich dabei auf einen Bericht des Inlandsgeheimdienstes SIS über angebliche Umsturzpläne.

"Strukturen mit Verbindung ins Ausland und zur slowakischen Opposition" planten demnach Angriffe auf Regierungsgebäude und Provokationen. Damit solle die Polizei zu hartem Durchgreifen gezwungen werden, das dann als Gewalt gegen friedliche Demonstranten dargestellt werden könnte. Diesen Bericht kritisierten die Demonstranten am Freitagabend mit mehreren Transparenten.

Marianne Allweiss, ARD Prag, tagesschau, 25.01.2025 06:19 Uhr

Dieses Thema im Programm: Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Januar 2025 um 09:00 Uhr.