
"Buy European" Was bringen Boykotte von US-Produkten?
In Internetforen rufen EU-Bürger zum Boykott US-amerikanischer Supermarkt-Produkte auf, um die europäische Wirtschaft zu stärken. Doch bringt der Verzicht auf Erdnussbutter oder Chips "made in USA" was?
Umgedrehte Chips-Dosen der Marke Pringles in deutschen Supermärkten: Solche Fotos findet man zum Beispiel auf dem Internet-Portal Reddit. Die Gruppe nennt sich "Buy from EU" und hat mehr als 200.000 Mitglieder. Es sind Menschen, die US-Waren boykottieren - aus Protest gegen die von Trump angekündigten Zölle auf Waren aus der EU.
Auch der Deutsche Christian Hurter ist Teil dieser Bewegung. Er stellt US-Produkte im Supermarkt auf den Kopf, um die Sichtbarkeit von europäischen Produkten zu erhöhen - und er verzichtet auf US-amerikanische Kleidungsmarken, kauft nur noch bei deutschen Herstellern. "So lange das so politisch ist zwischen den USA und Europa mit den Strafzöllen, werde ich meinen Teil beitragen", sagt er.
Europäische Wirtschaft stärken
Auch in Frankreich oder Dänemark versuchen Menschen durch Boykott von US-Produkten in Supermärkten US-Unternehmen unter Druck zu setzen und die europäische Wirtschaft zu stärken. Und in der dänischen Facebook-Gruppe "Boykot varer fra USA" informieren Nutzer über einheimische und europäische Alternativprodukte.
Doch kann der Verzicht auf US-Cola oder Erdnussbutter tatsächlich etwas bewirken? Der Handelsexperte und Wirtschaftswissenschaftler Gerrit Heinemann glaubt: ja. "Das Importvolumen aus den USA ist enorm groß, und wenn das durch die Verweigerung von Käufen nach unten geht, dann gehen automatisch die Verkäufe von EU-Produkten nach oben. Es ist zu erwarten, dass alle europäischen Konsumgüterhersteller und auch deutschen Hersteller davon profitieren dürften."
Internetseite klärt auf
Aber woher wissen Kunden, welches Produkt von einem US-amerikanischen Konzern kommt und welches nicht? Die Internetseite "Go European", die von Freiwilligen aus der gesamten EU betreut wird, bietet dafür eine Suchmaske. Alternativvorschläge gibt es für Automarken, Kleidungshersteller, aber auch Software-Programme oder Getränkemarken. Wer Ersatzprodukte für die US-Amerikanische Schuhmarke Nike sucht, bekommt hier gleich Dutzende Alternativvorschläge für Marken aus der EU.
Samina Sultan, Volkswirtin am Institut der Deutschen Wirtschaft, warnt allerdings vor zu großen Erwartungen. Noch sei die zivilgesellschaftlich organisierte europäische Boykott-Bewegung recht klein. Außerdem könnte der Boykott von US-Produkten auch europäische Hersteller treffen.
"Es ist so, dass wir in einer sehr vernetzten und globalen Welt leben. Das heißt, Waren werden in der Regel aus verschiedenen Vorprodukten, die aus verschiedenen Ländern kommen, hergestellt. Wenn man also ein gezieltes Endprodukt boykottiert, trifft man damit sicherlich nicht nur ein Land. Daher ist die Sache doch sehr viel komplizierter", erklärt Sultan.
Tesla-Aktie eingebrochen
Was erwiesenermaßen bereits einen starken Effekt habe, sei der Boykott von sehr hochpreisigen Produkten wie zum Beispiel Autos der Marke Tesla, sagt der Wirtschaftwissenschaftler Gerrit Heinemann. "Wir haben gesehen, dass aufgrund der stark zurückgehenden Zulassungszahlen von Tesla außerhalb der USA der Aktienkurs mal eben um 30 Prozent eingebrochen ist und Herr Musk mal eben viele, viele Milliarden Dollar verloren hat", so Heinemann. Hier habe der Boykott unmittelbar etwas gebracht.
Fragt man Kunden vor einem Kölner Supermarkt, so sind die Meinungen zu den Boykott-Aufrufen von Supermarktprodukten gespalten. Karl-Heinz Ricke würde sich daran sogar beteiligen, glaubt aber nicht, dass US-Präsident Donald Trump sich von sinkenden Absätzen von Chips oder Ketchup in der EU beeindrucken lässt. "Den lässt noch das drastischste Mittel kalt." Und Lysanne Völz befürchtet eine Spirale nicht endender wechselseitiger Zölle: "Ich finde die Politik von Donald Trump generell schwierig. Aber die Frage ist, ob man dann das gleiche machen sollte, wie er."
Doch genau das könnte kommen. Trump hatte hohe Zölle unter anderem auf alkoholhaltige Getränke wie Wein oder Champagner aus der EU angekündigt. Die Europäische Kommission wiederum hält sich offen, im Gegenzug US-Produkte wie Jeans, Motorräder oder Erdnussbutter mit Zöllen zu belegen. Sollte es wirklich zu einer solchen Eskalation kommen, so Handelsexperte Heinemann, würden am Schluss vor allem die Verbraucher leiden - und zwar in den USA genauso wie in Europa.